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Die Jury

Jurymitglied Dennis Formann

Sein Tipp für Zeichner:

Lasst Euch auch von den größten Rückschlägen nicht entmutigen. Seid diszipliniert, bleibt am Ball und verfolgt hartnäckig Eure Ziele.

Dennis Formann

  • Geburtstag:22. November 1977
  • Geburtsort:Bad Oeynhausen
  • Beruf:Geschäftsführer Comicademy (School of Comic Arts), Berater für Training, Personal- und Organisationsentwicklung
  • Hobbies:Familie & Freunde, Zeichnen, Lesen, Essen, Sport
  • Motto:Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
  • Kurzporträt:

Der Geschäftsführer der Comicademy (School of Comic Arts) Dennis Formann ist Fachmann für Aus-und Weiterbildung. Aufgrund seiner Erfahrungen bringt er seine didaktischen Fähigkeiten in den Wettbewerb mit ein. Der studierte Wirtschaftspsychologe greift auch gerne mal selber zu Stift und Papier und genießt die Entspannung beim Zeichnen.

Interview

Als Geschäftsführer der Comicademiy (School of Comic Arts) beschäftigt sich Dennis Formann viel mit dem Thema Aus- und Weiterbildung. Als Juror bringt er die didaktische Komponente in den Wettbewerb mit ein. Bei einem guten Comiczeichner spielen seines Erachtens - neben einem gewissen Talent - Disziplin und Wille eine große Rolle. Wichtig seien auch das Beherrschen guter Techniken. Diese Aspekte wird Dennis Formann in seine Bewertung der Zeichner mit einfließen lassen.

Comicstars.de: Wo bist Du wann geboren und zur Schule gegangen?

Dennis Formann: Ich wurde 1977 im ostwestfälischen Bad Oeynhausen geboren. Dort bin ich aufgewachsen und auch zur Schule gegangen. Erst mit dem Studium habe ich dann die vertraute Umgebung verlassen.

Comicstars.de: Du bist Leiter der Comicademy (www.comicademy.com) - wie sehen Deine Aufgaben konkret aus?

Dennis Formann: Neben den organisatorischen Aufgaben, die mit dem Betrieb unserer bundesweiten Schulungen für Comiczeichner einhergehen – zum Beispiel die Rekrutierung von Zeichentrainern - bringe ich mich stark in den Aufbau und die inhaltliche Entwicklung und Gestaltung der von uns angebotenen Kurse ein. Ein weiterer, sehr wichtiger Teil meiner Arbeit ist die Pflege von Partnerschaften mit Unternehmen, Verlagen und anderen Bildungseinrichtungen, die für uns als Comicschule sehr wichtig sind.

Comicstars.de: Auch wenn Du mehr für die Konzeption und das Design der Comicademy verantwortlich bist, bist Du bereits sehr guten oder auch weniger guten Comiczeichnern begegnet. Woran erkennt man, ob jemand Talent hat?

Dennis Formann: „Talent“ ist ein großes Wort, das gern bemüht und, nach meinem Dafürhalten, in den meisten Künsten deutlich überschätzt wird. Oft stehen Techniken im Mittelpunkt der Arbeit, die man einfach kennen und beherrschen muss. Natürlich achten wir beispielsweise bei der Auswahl der Teilnehmer unseres Trainingsprogramms auf grundlegende Voraussetzungen wie räumliches Vorstellungsvermögen oder Feinmotorik. Wenn Du aber fragst, woran man erkennen kann, ob jemand das Zeug dazu hat, ein erfolgreicher Comiczeichner zu werden, dann spreche ich nicht in erster Linie von zeichnerischem Talent, sondern von Wille und Disziplin.

Comicstars.de: Als Juror beim Comiczeichenwettbewerb bringst Du vor allem didaktische Fähigkeiten mit ein. Was ist Deiner Meinung nach das Erfolgsrezept, das man Comiczeichnern lehren sollte?

Dennis Formann: Wie so oft im Leben gibt es auch hier kein wirklich zuverlässiges Rezept. Allerdings werden alle erfolgreichen Comickünstler bestätigen, dass ihre Ausdauer und ihr Durchhaltevermögen entscheidend zu ihrem Erfolg beigetragen haben. Ebenfalls ist es insbesondere für Verlagszeichner wichtig, auf eine hohe Produktivität zu achten. Damit ist die Fähigkeit gemeint, gute Qualität in einigermaßen hoher Geschwindigkeit produzieren zu können. Hier ist es hilfreich, ergebnisorientiert zu arbeiten. Unter Umständen muss ein Zeichner sich auch von eingeschliffenen, aber ineffizienten Arbeitsweisen lösen können. Wenn ich ein klares Bild von meinem Ergebnis im Kopf habe, muss ich eine geeignete Technik wählen, um dieses Ziel in möglichst kurzer Zeit zu erreichen. Spätestens hier zahlt sich wieder das Methodenwissen des Zeichners aus. Wer im Illustrationsgeschäft Erfolg haben will, dem rate ich darüber hinaus, sich stilistisch so offen und breit wie möglich aufzustellen, um mehr potentielle Auftraggeber ansprechen zu können.

Comicstars.de: Welchen „Geheimtipp“ kannst Du unseren Zeichnern mitgeben und zwar bezüglich möglicher Fehler: Was sind die größten Fehler, die man als Comiczeichner vermeiden sollte?

Dennis Formann:Mangelnde Kritikfähigkeit ist sicherlich einer der schwerwiegendsten Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg. Häufig sind Comiczeichner auch einfach nicht gewohnt, ehrlicher, konstruktiver und sachlicher Kritik ausgesetzt zu sein. Mutti und die beste Freundin finden meist eben alles großartig, was man zu Papier bringt. Kritik sollte nicht als persönlicher Angriff verstanden werden, sondern als eine Chance, sich künstlerisch weiter zu entwickeln. Oft werden auch Diskrepanzen zwischen den eigenen Interessen und der Nachfrage am Markt nicht erkannt oder ignoriert. Wer sich um jeden Preis selbst verwirklichen will, trifft damit nicht immer den Geschmack der Käufer und Auftraggeber. Der größte Fehler aus meiner Sicht ist jedoch, selbst zu wenige Gelegenheiten zu schaffen, um seinem Glück auf die Sprünge zu helfen. Wer an keinen Wettbewerben teilnimmt, nicht aktiv an Verlage herantritt und seine Arbeiten in einer Schreibtischschublade versteckt hält, der kann nicht erwarten, eines Tages groß raus zu kommen.

Comicstars.de: Was macht Deiner Meinung nach einen guten Comic aus?

Dennis Formann: Sicherlich sind hier viele der Kriterien gültig, die auch bei etablierteren Kunstformen wie dem Roman, dem Film oder dem Theater Anwendung finden. Aber gerade weil das Medium Comic viele Elemente dieser Schwesterdisziplinen in sich vereinigt, spielt die gekonnte Abstimmung aller Teilaspekte eine entscheidende Rolle. Die Story, die Charaktere, der Zeichenstil, das Paneling, der Rhythmus, die Farben und auch das Lettering - all diese Elemente sollten sich im harmonischen Einklang miteinander befinden. Dies minimiert das Risiko, den Leser auf seiner Reise durch die Geschichte zu stören und erhöht damit die subjektiv wahrgenommene Qualität der Arbeit.

Comicstars.de: Beim Lesen eines Comics entsteht eine Art „Kopfkino“ beim Leser - das heißt, der Leser fügt die einzelnen Panels zu einem Film zusammen. Für das Kopfkino-Erlebnis bedarf es bestimmter dramaturgischer Techniken. Kannst Du ein paar nennen?

Dennis Formann: Du sprichst hier das induktive Schließen an, welches Scott McClould bereits vor einigen Jahren in seinem Buch „Comics richtig lesen“ thematisierte. Wie viele andere psychologische Phänomene lässt sich auch dieses auf die sehr grundlegende, kognitive Konsistenztheorie zurückführen: Informationen, die wir aufnehmen, müssen für unseren Verstand stimmig sein. Andernfalls werden sie stimmig gemacht. Wenn ich in einem Bild eine Blumenvase auf einem Tisch stehen sehe und in einem zweiten Bild einen am Boden liegenden Scherbenhaufen neben diesem Tisch, dann kann sich mein Gehirn nicht dagegen wehren, das Fallen dieser Vase zu erkennen, obwohl dieser Vorgang selbst nirgendwo abgebildet ist. Diese Funktionsweise unserer Wahrnehmung kann man nun durch eine geschickte Gestaltung des Comics fördern bzw. durch Fehler bei dessen Gestaltung behindern. Je mehr Zeit zwischen zwei Panels vergeht, umso größer ist die Herausforderung für den Leser. Es gibt sehr viele Aspekte, die für ein flüssiges „Kopfkino“ berücksichtigt werden müssen. So ist es z.B. wichtig, dass die Charaktere des Comics „on Model“ gezeichnet sind, also in jedem einzelnen Panel auch wirklich als dieselben Personen erkannt werden können. Als weiteres Thema lässt sich auch der Achsensprung anführen, den es möglichst zu vermeiden gilt. Stell Dir zum Beispiel vor, wie verwirrt der Fernsehzuschauer wäre, würde die Kamera ein Fußballspiel zwischen durch plötzlich von der anderen Seite des Spielfeldes aus filmen.

Comicstars.de: Was sagt Deine Erfahrung - sind gute Comiczeichner oft auch gleichzeitig gute Geschichtenerzähler oder schließt sich das in den meisten Fällen aus?

Dennis Formann: Eine wissenschaftliche Erklärung für einen Widerspruch zwischen diesen beiden Fertigkeiten ist mir nicht bekannt. Allerdings ist es wohl wahrscheinlicher, dass jemand ein sehr guter Zeichner oder ein grandioser Erzähler ist, als dass dieselbe Person beides perfekt beherrscht. Es ist ja auch nicht jeder Jäger gleichzeitig ein Sternekoch. So ist es durchaus sinnvoll und daher auch nicht unüblich, Comicprojekte in interdisziplinären Teams zu realisieren, wie es zum Besipiel Goscinny und Uderzo mit ihrem Asterix sehr erfolgreich gezeigt haben. Auch in unserem Comicademy Training Program haben wir häufiger die Erfahrung gemacht, dass Teilnehmer, die sich bei anatomischen Zeichenstudien eher im Hintergrund gehalten haben, dann plötzlich ins Rampenlicht traten und aufblühten, als es um das Storytelling ging.

Comicstars.de: Was ist Dein persönlicher Lieblingscomic?

Dennis Formann: Auch auf die Gefahr hin, dass Du schmunzeln musst: Seit meiner frühen Kindheit liebe ich diese sehr lauten, überzogenen und vergagten Comics des spanischen Zeichners Francisco Ibáñez, der zum Beispiel auch für die Abenteuer von Clever & Smart verantwortlich ist. Aber auch die martialischen Antihelden-Designs wie Todd McFarlanes „Spawn“ oder der Marvel-Klassiker „The Punisher“ von Gerry Conway finde ich recht beeindruckend. Ich bin ein sehr visueller Mensch, daher spricht mich die zeichnerische Realisierung im Comic häufig stärker an als die Story selbst. Leider komme ich aus zeitlichen Gründen viel seltener dazu, Comics zu lesen, als es mir lieb wäre. Ich schätze, das ist die ironische Kehrseite meines Jobs.

Website der Comicademy: www.comicademy.com


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